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Festtage in der digitalen Welt

20. Dezember 2018

Feiern Sie digitale Weihnachten oder geniessen Sie Weihnachten ganz entspannt im Hier und Off? Einer Erhebung des Bitkom zufolge, legen rund 68 % der Befragten an Weihnachten spezielle Regeln für die Nutzung von Smartphones fest. Sinnvoll oder nicht? Mit ein wenig weihnachtlicher Nachdenklichkeit gehen wir in unserem letzten Blogbeitrag des Jahres 2018 dieser Frage nach.

Draussen vom Walde komm‘ ich her – doch miss ich mein Smartphone wohl nimmermehr?

Liebe, Freude, Licht, Musik und gutes Essen – welches Fest wird im deutschsprachigen Raum so intensiv und (be)sinnlich gefeiert wie Weihnachten? Zwar gibt es auch die Weihnachtsverweigerer, die hinter allem nur Konsum und Heuchelei vermuten. Doch für viele Menschen ist Weihnachten ein Fest, an dem man die Familie trifft, kleine oder grosse Geschenke tauscht und es sich so richtig gut gehen lässt.

Bis – ja bis der oder die Erste es nicht mehr aushält und mehr oder weniger verstohlen einen Blick aufs Smartphone wirft. Schon scheiden sich die Geister. Denn obwohl rund 84 % der Umfrageteilnehmer digitale Geschenke unter den Weihnachtsbaum legen oder hoffen, selbige dort vorzufinden, halten 68 % es für angemessen, an Weihnachten klare Regeln für die Handynutzung vorzugeben. Rund 16 % schliessen das Smartphone als Teilnehmer am heimeligen Weihnachtsevent sogar ganz aus.

Ist Weihnachten ein Fest, das uns an die gute alte Zeit, als der Baum noch selbst geschlagen wurde, erinnert? Als noch der Weihnachtsmann mit Schlitten und Rentieren die Geschenke brachte und nicht ein gestresster Paketbote die Flut an Onlinebestellungen verteilen musste? Findet Weihnachten idealerweise deshalb ganz im Hier und Off statt oder dürfen wir zumindest zeitweise das Smartphone einschalten? Nur kurz ein Foto für den Instagram- oder Facebook-Account hochladen? Mit Freunden und Verwandten telefonieren, skypen oder whatsappen, die in diesem Jahr nicht dabei sein können?

Digital Detox statt Onlinestall und Ochs‘?

Liest man sich in der Adventszeit durch bekannte und weniger bekannte Blogs und Social-Media-Beiträge wird ein neuer Trend deutlich: das sogenannte «Digital Detox», also die Distanzierung von allem, was zu seiner Nutzung LAN, WLAN oder eine Breitbandverbindung erfordert.

Seinen Anhängern zufolge wirkt Digital Detox wie eine geistige Reinigung, eine mentale Fasten- und Entschlackungskur vom digitalen Alltag, in dem wir uns ansonsten täglich durch tonnenweise Bilder, Spruchweisheiten, schlechte Fotografien oder Flachwitze und Kampfdiskussionen wühlen, welche die Social Media dominieren. Gleich gefolgt von inhaltsleeren Chatgesprächen, dem innigen Austausch von Stupsern und Smileys oder auch den endlosen Telefongesprächen, die stets mit derselben Frage beginnen: Wo bist du gerade?

Wenigstens an Weihnachten aber, so der Tenor, sollten wir einmal wirklich wissen, wo wir uns gerade befinden. Mit wem und warum. Und wenigstens an Weihnachten sollten wir daher allem Digitalen entsagen, um mit ungeteilter Aufmerksamkeit das Fest im Kreis der Lieben zu verbringen. Statt am Mobiltelefon halten wir uns dann eben mal an einem Glas mit selbst hergestelltem Detox-Wasser fest.

Klingt doch schön und vernünftig, werden Sie jetzt vielleicht zustimmen. Nur: Was ist mit Fotografieren und Filmen? Wer hält all die schönen und lustigen Momente fest? Wie drucken wir die Weihnachtsrezepte aus und wer zeigt den Grosseltern, wie das neue Senioren-Tablet bedient wird? Und was schliesslich tun wir, wenn das Weihnachtsprogramm der Streaming-Anbieter einfach unwiderstehlich ist, während wir uns an den drei Nüssen für Aschenbrödel schon in der Adventszeit hinreichend satt geknabbert haben oder einfach nicht zur Generation dieses Klassikers gehören?

Nicht die Technologien sind das Problem, sondern die Art der Nutzung

Digitale Technologien werden an Weihnachten nicht weniger genutzt als an anderen Tagen. Wer bereits ein Smart Home oder Elemente davon sein eigen nennt, wird an Weihnachten sicher nicht offline gehen – das könnte dem Gefriergut ebenso schaden wie den Gästen, die bei Minusgraden erkennen müssen, dass der über den Bildschirm flackernde Kamin nicht halb so viele Wärme spendet wie eine per App ferngesteuerte Heizung.

Tatsächlich geht es bei den Diskussionen um die Nutzung digitaler Medien und Instrumente auch gar nicht um die Frage, ob Weihnachten gänzlich im Off oder auch ein bisschen im On stattfinden soll. Denn eigentlich streiten wir doch nur um eines: Um die Nutzung des Smartphones zu anderen Zwecken als denen, die gemeinsam verbrachte Zeit in Bild und Ton festzuhalten.

So betreffen die Regeln, auf die sich die erwähnten 68 % einigen, auch nicht das Fotografieren, Filmen und gemeinsame Fernsehen oder Netflixen. Sie betreffen wesentlich das nervige «Nebenher», das ständige Starren auf die Messenger-Dienste, den Austausch belangloser Nachrichten, das Vorzeigen neuester Weihnachtswitze und die Liveschaltung in die warme Stube für Menschen, die einem unbekannt sind.

Folgerichtig steht der Beherrschung auf der einen Seite (kein Smartphone während des gemeinsamen Essens und während die Geschenke verteilt werden) eine vermehrte Nutzung auf der anderen Seite entgegen (denn ein Drittel der Befragten gab an, das Smartphone vor allem an Weihnachten zum Fotografieren zu nutzen).

Nicht die Technologie selbst steht also im Mittelpunkt der Kritik. Sondern die Frage, wie wir sie nutzen. Ausgerechnet an Weihnachten!

Netiquette für Smartphone Nutzung an Weihnachten – ist das wirklich notwendig?

Brauchen wir also speziell an Weihnachten eine Netiquette, die regelt, was erlaubt ist und was nicht? Das hängt wesentlich sicher von den Beteiligten ab, die sich um den Tisch versammeln. Und natürlich von den Gastgebern und ihrer Fähigkeit, ihre Stuben und Herzen tatsächlich so zu öffnen, dass alle sich wohl und willkommen fühlen.

Denn mal ehrlich – wenn das Smartphone heimlich ausgepackt wird, liegt es nicht immer nur daran, dass sich ein oder mehrere Smombies (Smartphone Zombies) eingefunden haben. Uns „Getriebenen des dritten Jahrtausends“, die wir ständig irgendwie aktiv und nützlich und serviceorientiert im Einsatz sein müssen, ist es oft schlichtweg zu langweilig, wenn wir am perfekten Dinner teilnehmen, ohne selbst etwas tun zu können.

Selbstverständlich sollte jeder von uns prüfen, welche Botschaft er einem Gegenüber eigentlich vermittelt, wenn er mitten im Gespräch einen Anruf per Smartphone annimmt oder einfach nur mal kurz und nervös auf die blinkende Displayanzeige schielt. So gesehen ist eine Netiquette nicht verkehrt. Umgekehrt schadet es aber auch nicht, den gemeinsamen Abend auch gemeinsam zu gestalten – und zwar so, dass der Wunsch, das Smartphone auszupacken, erst gar nicht aufkommt.

Wo aber verläuft die Grenze zwischen on und off?

Wer an Weihnachten ein klares «Handy aus!» als Parole ausruft, trifft zudem ohnehin eine Unterscheidung, die im 21. Jahrhundert für viele nicht mehr sinnvoll und stimmig ist. Speziell die junge Generation, die mit Smartphone und Laptop aufgewachsen ist, unterscheidet nicht zwischen Freunden, die man in der Schule, und solchen, die man in Netzwerken oder Chatgruppen kennengelernt hat.

Und auch im beruflichen oder geschäftlichen Umfeld ist zwischen on und off keine klare Trennung mehr erkennbar. Wir betreiben ein stationäres Ladengeschäft, das wir online bewerben, laden die Speisekarte unseres Restaurants bei Facebook hoch und fügen Fotos vom letzten Anlass unseres Sportvereins bei Instagram hinzu. Wir bieten Kunden die Möglichkeit, den nächsten Massagetermin online zu buchen und erkundigen uns per E-Mail nach ihrer Zufriedenheit.

Zum Weihnachtsfest schenken wir dann den Eltern einen Roboterstaubsauger mit WLAN, den wir online bestellt haben, statten die Wohnung der Grosseltern mit einer digitalen Videoüberwachung aus, kontrollieren den Braten im Ofen per App und stellen erstaunt fest, dass das neue Smartphone sogar bessere Fotos macht als die gerade mal drei Jahre alte Systemkamera.

Und natürlich freuen wir uns, wenn sich Kolleginnen und Kollegen auf Instagram gemeinsam im weihnachtlichen Outfit präsentieren, der Chef sich einen besonderen Spot für den Firmen-Account ausgedacht hat oder wenn wir von Lieferanten, Kunden, Geschäftspartnern mit einem selbst gedichteten Weihnachtsgruss überrascht werden.

In rund 8 % der befragten Haushalte bieten die digitalen Medien zudem eine Möglichkeit, auch jene, die an Weihnachten nicht anwesend sein können, zumindest per Bildschirm zuzuschalten.

Und plötzlich soll das alles nichts mehr wert sein, nur weil ein Fondue Chinoise oder ein Rollschinken auf dem Tisch stehen? Plötzlich ist alles, was uns mit der Onlinewelt verbindet, Teufelswerk? Und das Smartphone, das eben noch mit einem Freudenschrei ausgepackt wurde, ist nurmehr störend?

Nicht ein Verbot sollte uns davon abhalten

Klingt schon ein wenig widersprüchlich, oder?

Vielleicht geht es an Weihnachten – aber auch sonst im Leben – aber auch nur vorrangig um die Frage Smartphone an oder aus. Vielleicht kommt es viel mehr darauf an, eine Fähigkeit zeitweise wieder zu entdecken, die uns im allzu geschäftigen Alltag verloren zu gehen droht, nämlich die Fähigkeit „Jetzt nicht!“ zu sagen und Dinge nicht bzw. später zu tun.

Statt ein Verbot aufzustellen, folgen wir dem, was in jenem Moment gerade wichtig ist. Um dem einen Menschen zu zeigen, dass wir jetzt ganz für ihn da sind, ihm zuhören, ihm unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Um den einen Moment bewusst und mit all unseren Sinnen zu erleben. Oder um „einfach“ mal ganz bei uns selbst anzukommen, uns zu sammeln, zu fokussieren und aus der Ruhe neue Energie mitzunehmen .

Schliesslich beginnt Weihnachten für die meisten von uns als lautes Fest der Freude. Weihnachten und die Festtage erleben bedeutet aber auch, die Ruhe nach der stressigen Zeit zu geniessen. Eine Ruhe, die sich nicht durch die Abwesenheit von Geräuschen, sondern durch die Fokussierung aufs Nicht-Tun auszeichnet.

Müssen wir wirklich ständig beschäftigt, erreichbar oder gehetzt sein? Oder können wir die Dinge auch mal geschehen lassen und uns zurückziehen? Dürfen und müssen wir nicht auch manchmal ein starkes „Jetzt gerade nicht“ äussern, um uns ganz aufs Wesentliche zu konzentrieren?

Das „Unwesentliche“ ausblenden, um das Wesentliche zu erreichen

Jetzt bin ich nur für dich oder euch da. Es bedarf eines starken Entschlusses, einen solchen Vorsatz umzusetzen. Und es ist das schönste Geschenk, das man einem anderen machen kann – on oder off. Und nicht nur an Weihnachten.

Was das Smartphone anbelangt, lässt sich mit der Beherzigung einiger weniger Tipps die Sucht nach dem ständigen Blick aufs Display relativ einfach in den Griff bekommen. Am einfachsten ist dies, wenn Sie

  • das Smartphone zu bestimmten Zeiten ganz ausstellen.
  • privates und geschäftlich genutztes Smartphone streng voneinander trennen.
  • für die Dauer und Nutzung bestimmter Medien festen Regeln folgen.
  • sich verdeutlichen, dass jedes Wiedersehen umso schöner ist, je stärker man die Abwesenheit des anderen tatsächlich wahrgenommen hat.

Vor allem aber sollten Sie sich jene drei Wörter einprägen, die Ihnen Raum für Ruhe, Fokussierung, Zuwendung und Energie für Neues geben: Jetzt gerade nicht.

Jetzt sind wir nicht erreichbar, aber …

«Jetzt nicht», mit diesen Worten verabschieden auch wir uns zwischen den Jahren für eine Weile von Ihnen, denn wir nutzen die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr, die für uns vom 22. Dezember bis zum 06. Januar andauert, für eine Auszeit.

Nicht, ohne ein wenig Wehmut und ruhelose Hände, die noch nicht so recht loslassen wollen. Und natürlich auf keinen Fall, ohne uns bei Ihnen, unseren Kunden und Partnern, für das wunderbare 2018 zu bedanken, das wir on und off mit Ihnen gestalten, erleben und kreativ nutzen durften.

Wir wünschen Ihnen schöne und erholsame Festtage sowie Gesundheit und persönliches Wohlergehen. Und wir freuen uns schon heute darauf, ab dem 07. Januar mit Ihnen gemeinsam die guten Vorsätze fürs neue Geschäftsjahr 2019 verwirklichen zu dürfen!

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